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TU München erstellt 3-D-Modell für Hochwasserszenario

 

Zusammenhänge zwischen Alzhochwasser  und Grundwasseranstieg wird erforscht – Bürgerwissen gefragt

 

Tacherting. Bei den vielen Niederschlägen im Mai und Juni 2013 hat es in Tacherting im unteren Alztal teils verherrende Gebäudeschäden durch eindringendes Wasser gegeben. Wie vielerorts kam die Flut aber hier nicht ausschließlich von dem nahe gelegenen Alzfluss, sondern hier drückte vor allem das ansteigende Grundwasser in die Keller ein. Nun hat die Gemeinde Tacherting den Lehrstuhl für Hydrologie und Flussgebietsmanagement der Technischen Universität München (TUM) mit Prof. Dr.-Ing. Markus Disse und dessen Mitarbeiter M.Eng. Patrick Keilholz beauftragt, die Zusammenhänge zwischen  dem Alzhochwasser, den lokalen Niederschlägen und den damit verbundenen Grundwasseranstieg zu untersuchen.

 

 M.Eng. Patrick Keilholz von der Technischen Universität München forderte die Anwesenden auf, alte Wasserläufe, die früher eine Drainagefunktion hatten, in eine große Karte vom Alztal einzuzeichnen.M.Eng. Patrick Keilholz von der Technischen Universität München forderte die Anwesenden auf, alte Wasserläufe, die früher eine Drainagefunktion hatten, in eine große Karte vom Alztal einzuzeichnen.

 

Die TU München wurde ausgewählt um ein möglichst unabhängiges Ergebnis zu erhalten, so Bürgermeister Hans Hellmeier. Der Saal im Gasthof „Zur Post“ war bis auf wenige Plätze besetzt, als Professor Disse über sein Tätigkeitsfeld informierte.  Gut 250 Häuser wurden 2013 von der Flut beschädigt.  Erstes Ziel der Untersuchung, erklärte Professor Disse, ist  in Tacherting erst eine umfassende Analyse zu dem Hochwasser 2013 zu erstellen. Damit  soll geklärt werden, welchen Einfluss lokale Niederschläge und die Alz auf die Grundwasserstände haben. Ebenso wird der geplante Alzdamm in Wajon in den Untersuchungen mit eingeschlossen. Hierzu werde eng mit dem Wasserwirtschaftsamt Traunstein zusammen gearbeitet. Dieses beteilige sich an den Kosten mit rund 15 000 Euro. In diesem Zusammenhang wird auch das Abwassersystem untersucht, informierte Bürgermeister Hellmeier. Denn es ist nicht auszuschließen, dass Grundwasser in die Kanalisation eingedrungen ist. Jedenfalls konnten etliche Geschädigte rund 72 Stunden ihre sanitären Anlagen nicht mehr benutzen, berichteten Betroffene. Im umgekehrten Fall könnten dann aber auch Fäkalien ins Grundwasser gelangen. Grundlage der Untersuchung der TU München sind vor allem die Informationen, die jeder Einzelne zu seinem Schadensbild machen kann. Von großem Wert sind dabei persönliche Wetterbeobachtungen über einen längeren Zeitraum. Es werden vor allem Aufzeichnungen von Niederschlägen, Grundwasser-, Alz- und Alzkanal-Pegelständen gesucht. Wer also solche Informationen hat, sollte diese, auch wenn er vom Hochwasser nicht betroffen war,  diese der TUM zu Verfügung stellen, warb Projektleiter Patrick Keilholz. Jeder hat im Zusammenhang mit dem Hochwasser mit der Alz und den Anstieg des Grundwassers seine eigenen persönlichen Erfahrungen gesammelt. Die Geschädigten haben dazu alle einen Fragebogen von der TU München erhalten. Letztendlich werden alle Angaben in das 3-D-Modell einfließen, so Keilholz von der TU München. Die Berechnungen sind äußerst komplex, da Grundwasser grundsätzlich langsamer fließe als Flusswasser. Zudem muss bei Grundwasser auch die Bodenbeschaffenheit mit einbezogen werden. Damit erkläre sich aber auch, warum bei vielen das Grundwasser erst eingedrungen sei, nachdem der Alzpegel bereits wieder deutlich gesunken sei. Wie das Ganze vor sich geht, erklärte Keilholz grafisch anhand eines Computer-2-D-Modells. In Tacherting soll soll ein aussagefähiges 3-D-Modell errechnet werden, damit man künftig vorhersagen kann, wann, wie und wo das Grundwasser beziehungsweise Hochwasser ankommt, um eventuell rechtzeitig reagieren zu können. Ziel sei aber, Lösungen herbei zuführen, um künftig Schäden weitgehend zu vermeiden oder zumindest zu verringern. Wertvoll wäre es deshalb auch zu wissen, wo sich alte Wasserläufe befunden haben, die eine Drainagefunktion hatten. Eine Aktivierung solch eines Wasserlaufs könnte schon die Lösung des Problems sein, meinte Keilholz. In der nachfolgenden Diskussion berichtete ein Anwohner, das in Wajon auch der Alzkanal, der hier wieder in die Alz einmündet, ein Problem darstelle. Bei Alzhochwasser kann das Wasser im Kanal nicht mehr genügend abfließend und wird über die Kanalmauern gedrückt. Gemeinderat Karl Heinz Lutsch berichtete von zahlreichen Quellen, die den Alzkanal zusätzlich speisen würden. Umstritten ist in Wajon  auch der geplante neue Alzdamm, der bei einigen Häusern dann nur wenige Meter vor der Grundstücksgrenze vorbeiführen würde. Da der Damm dann befahrbar wäre und sicherlich auch als Spazierweg genutzt werden würde, fühlen sich etliche in ihrer Privatsphäre eingeengt. Zudem werde befürchtet, bei einem neuerlichen Alzhochwasser dann richtig „abzusaufen“. Hellmeier beschwichtigte und meinte, hier müsse man die Interessen Einzelner mit den Interessen einer Vielzahl Betroffener abwägen. Ein weiterer Geschädigter berichtete, dass nach seinen Beobachtungen auch die Wehranlage –geöffnet oder geschlossen – Einfluss auf den Grundwasserstand nimmt. Das belegten zumindest seine eigenen Messungen. Dabei fragte er, wer überhaupt berechtigt sei, bei den Wehranlagen Anordnungen vorzunehmen - außer den Kraftwerksbetreibern selber. „Im Ernstfall könnten diese uns alle absaufen lassen.“ Die Gemeinde, so erklärte Bürgermeister Hellmeier, habe hierauf keinen Einfluss. Im weiteren Verlauf warb er aber dafür, dass sich möglichst alle an der Erhebung der TUM beteiligen sollen. „Man braucht kein Hellseher zu sein, um vorhersagen zu können, dass mit der Klimaerwärmung künftig solche Wetterkapriolen öfter eintreten werden.“ Konrad Grundner von der „Interessensgemeinschaft Hoch-und Grundwasser Tacherting“ dankte Bürgermeister Hans Hellmeier für die Untersuchung über die TU München. Auch er hatte bereits im Vorfeld viele Informationen gesammelt und an die TUM übergeben. „Bisher habe man ja nur immer Vermutungen anstellen können, jetzt werden endlich Fakten geschaffen.“  

-hm


 
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